Ein Augenblick in Ljubljana

"Hab ich mir das wirklich gut überlegt?"
Diese Frage benötigt eigentlich keine Antwort, doch ich gebe sie trotzdem: Nein, hab ich nicht. Natürlich nicht. Noch vor 24 Stunden war mir nicht einmal bewusst, dass ich wegfahren möchte. Und nun sitze ich hier, trinke viel zu heißen Tee, stopfe noch die letzten Kleinigkeiten in meine Handtasche, die ich für das Wochenende als Reisegepäck auserkoren habe und hinterfrage ernsthaft, was ich mir eigentlich dabei gedacht habe, schon wieder einen gesamten Tag im Flixbus zu verbringen.
7:25 Uhr
Bahnhof Gotha.
Zug fällt aus.
Bravo.
Geht ja super los... normalerweise kein Thema, denn wenige Minuten später fährt schon der nächste. Heute jedoch entscheiden leider genau diese wenigen Minuten darüber, ob ich in Erfurt meinen Anschluss nach Nürnberg schaffe.
Panik.
7:52 Uhr
Zielsprint durch den Bahnhof.
Treppe runter.
Menschenslalom.
Treppe rauf.
Zug geschafft.
9:50 Uhr
Frühstück in Nürnberg.
Ich bin nicht zum ersten Mal hier, doch noch nie habe ich mir wirklich Zeit genommen, die Stadt anzuschauen. Zugegeben, viel Freiraum für ausgiebiges Schlendern habe ich heute auch nicht, aber ein kurzer Abstecher in die Innenstadt ist trotzdem drin.
11:30 Uhr
Flixbus nach Ljubljana - sogar pünktlich! Wer hätte das gedacht. So langsam bin ich tatsächlich in Reisestimmung.
Es ist komisch, so lange nichts zu tun zu haben und nicht zu arbeiten. Musik hören hilft nicht. Buch lesen schiebe ich auf, so verzweifelt bin ich dann doch noch nicht.
Könnte eine spannende Fahrt werden.
18:30 Uhr
Grenzüberfahrt.
Dass es mich mal nach Slowenien verschlägt, hätte ich auch nicht gedacht. Vor allem nicht so spontan. Und doch bin ich jetzt hier. Die letzten Stunden ging es einmal quer durch die Alpen und wie ich festgestellt habe, sind die bei untergehender Sonne gar nicht mal so hässlich. Ich mag Berge trotzdem nicht...
19:45 Uhr
Ankunft in Ljubljana.
Erstaunlich, wie schnell man sich wieder an dieses stundenlange Busfahren gewöhnt. Jetzt fix Abendessen suchen und dann ab zum Hostel und ins Bett!
Allein für die Anreise müsste man mir schon wieder einen Preis verleihen. Oder meine geistige Gesundheit infrage stellen. In jedem Fall stand ich nun am Abend des 19.03. hier, mitten in Slowenien, in einer Stadt, die ich im Leben nicht auf meiner Reiseliste hatte. Wenn ich ehrlich bin, kann ich auch nicht mehr so genau rekonstruieren, wie ich schlussendlich zu dieser Entscheidung gekommen bin, doch ich meine, es hing am Ende mit den günstigen Preisen zusammen. Denn eins muss man Flixbus echt lassen - günstig können sie!
Mein Hostel lag glücklicherweise direkt im Stadtkern, der - wie ich am Folgetag feststellen musste - ohnehin deutlich kleiner ausfiel, als ich vermutete. Müde und mit schmerzenden Knochen fiel ich um kurz vor 22:00 Uhr ins Bett und schlief trotz 8-Bett-Zimmer erstaunlich gut.
20.03.2026 - 5:00 Uhr
HAPPY BIRTHDAY TO ME, YAY!
Ja, ich weiß - viel zu früh. Wer zur Hölle steht im Urlaub um diese Zeit auf?
Erstens: Das hier ist kein Urlaub. Wir reisen. Das ist was anderes!
Zweitens: ICH stehe so früh auf. IMMER!
Drittens: Schöner Sonnenaufgang, hallloooooo????
...und auch wenn das ausreichen sollte, war der ausschlaggebende Punkt am Ende die Tatsache, dass 3 Leute aus meinem Zimmer bereits um 5:30 Uhr auschecken wollten und an Schlaf ohnehin nicht mehr zu denken war.
Außerdem hatte ich in diesem Moment tatsächlich noch Zeitdruck, denn so planlos, wie ich hier her kam, dachte ich noch, dass ich den ganzen Tag für diese Stadt brauchen und nur mit Mühe den 16:05er Bus nach Zagreb schaffen würde.




Ich war also in der Stadt noch eh die Sonne am Himmel stand, schlenderte durch verschlafene Gassen, traf erstaunlich viele Deutsche, bestieg einen Berg (JA, BERG!) zu einer noch nicht geöffneten Festung, genoss tatsächlich für einen kurzen Augenblick die Aussicht auf den schönsten Sonnenaufgang aller Zeiten und stiefelte die paar Höhenmeter anschließend gemütlich wieder hinunter, nur um dann ziemlich schnell festzustellen, dass es so viel mehr hier gar nicht zu sehen gab.

Es ging noch mal links, dort drüben wieder rechts, am Kanal entlang und hier und da über eine Brücke. Doch als ich um kurz vor 8 die Universität bestaunte (von deren Optik sich Erfurt wirklich gerne mal inspirieren lassen könnte), wurde mir bewusst, dass ich noch 8 Stunden in einer Stadt verbringen würde, die mir ihre schönsten Seiten bereits gezeigt hatte. Und da nun auch die anderen Menschen allmählich zum Leben erwachten und es immer wuseliger wurde, traf ich kurzerhand eine weitere sehr spontane Entscheidung.
Einen kurzen Sprint zum Hostel und keine 30min später fand ich mich am Busbahnhof wieder und bestieg einen Bus, der mich auf kürzestem Wege nach Italien bringen sollte...
...es ging zum Brunch nach Triest.
