Orientation Days und Ankunft in Ashland, MA
So schnell vergeht eine Woche... ich bin mittlerweile seit 4 Tagen in Ashland, MA bei meiner Gastfamilie. Es ist schön wieder ein eigenes Zimmer zu haben und nicht mehr aus dem Koffer leben zu müssen. Aber von vorn...
Nach dieser gruseligen Anreise waren wir Dienstag früh endlich im Double Tree Hotel angekommen, wo wir bis Donnerstag Workshops hatten, auch Orientation Days genannt. Der Unterricht ging morgens um 8 los, das hieß also für uns 6:30Uhr aufstehen. Das Frühstück war recht bescheiden - nichts für jemanden, der gern herzhaft frühstückt, denn außer pappigem Müsli und Marmelade auf Gummi-Brötchen gab es nichts. Mein Magen war demnach auch mit ein paar Stücken Obst und Orangensaft ziemlich unzufrieden. Bis zum Lunch waren es allerdings noch 4-5 Stunden, die man irgendwie totschlagen musste. JA, wir hatten ja die Workshops.. aber seriously, das ist schlimmer als Schule! Man sitzt mit 50 Mann in einem großen Raum, ohne Fenster aus denen man gucken kann und das alles bei kuscheligen 16°C.. und dann steht da vorn eine Omi, die mir was über Kinder und Co erzählt, eine abartig hohe Piepsstimme hat und erwartet, dass wir sie 24/7 anstarren. Es ging vorrangig um Babys, was zwar für die, die auf kleine Kinder aufpassen, ganz schön war, aber für mich mit meiner 13-jährigen war es uninteressant. Die einzig spannenden Momente waren ihre True Stories, Geschichten von oder über ehemalige AuPairs. So schleppte ich mich also Dienstag, Mittwoch und Donnerstag bis zum Mittagessen. Das - im Gegensatz zum Frühstück - war echt gut! Auch wenn man deutlich merkte, dass wir in den USA waren, denn auf den Tischen stand für uns literweise Cola und Sprite bereit. Die restliche Zeit unserer Mittagsstunde verbrachten Chrissi und ich draußen auf der Wiese, denn das Wetter war eigentlich echt gut. Zu schade, dass wir davon rein gar nichts mitbekamen, geschweige denn es nutzen konnten. Denn auch nach dem Mittag waren wir eingesperrt in diesen Meeting Rooms, teilweise bis 18:30Uhr. Dienstag kamen wir zum Glück 16:30Uhr schon raus, saßen dafür aber danach noch bis 22:00Uhr im Bus für die NYC Tour. Die einzigen freien Minuten, die uns blieben, hatten wir Mittwoch nach dem Dinner. Ab 19Uhr hatten wir Freizeit, die ich mit den Leipziger Mädels im Pool verbrachte und unter anderem schon mal für den nächsten Tag packte, denn Donnerstag ging es nach dem Unterricht weiter zu den Gastfamilien. Es hieß also ein letztes Mal um 6:30Uhr "GET UUUUP!" durchs Telefon, bevor wir uns nach einem sinnlosen Erste Hilfe Kurs und ein paar (endlich auch für mich mal nützlichen) Infos in die Busse verteilten, die uns zum Bahnhof oder Flughafen bringen sollten. Auch wenn die Tage echt stressig waren und uns allen ein paar Stunden Schlaf fehlten, haben wir doch trotz malen und quatschen einiges aus dem Workshops mitgenommen und vor allem viele neue Menschen kennen gelernt. Ein bisschen verrückt war es schon, dass ich bei diesem Abschied fast trauriger war, als bei dem in Deutschland. Man hatte sich grade erst kennen gelernt und doch von der ersten Sekunde an super verstanden. Wir hatten alle das gleiche Ziel vor uns, wir alle saßen quasi im selben Boot. Und nach nur 4 Tagen mussten wir uns schon wieder voneinander trennen. Ein weiteres Mal hieß es für uns: Allein an einen neuen Ort. Es machte mich nachdenklich, meine Mädels dort zurückzulassen, auch wenn ich wusste, dass sie bald bei ihren Familien sein würden und es gut haben. Aber mir fehlte auf ein Mal jemand, mit dem ich reden konnte. Jemand, dem es genauso geht wie mir. Ich zweifelte für eine Weile wirklich an meiner Entscheidung..Wir waren viele Mädels im Zug nach Boston. Die 4 Stunden vergingen also beinahe wie im Flug. Kurz vor der Ankunft drehten langsam alle durch. Es wurde pausenlos über die Familien geredet, jeder wollte unbedingt sofort alles mitteilen, was er so wusste. In diesem Moment hatte ich zum ersten Mal auch in gewisser Weise das Gefühl aufgeregt zu sein - aber eigentlich hab ich mir nur Gedanken darüber gemacht, ob ich meinen Hostdad erkenne :D
Am Bahnhof angekommen überrannten wir Mädels die Familien regelrecht. Niemand hatte mit so vielen gerechnet, sodass wir zum Glück genug Zeit hatten uns zu sortieren und nach den Familien Ausschau zu halten. Und zu meinem Vorteil musste ich gar nicht lange nach meinem Hostdad schauen, weil er die Kleine dabei hatte, die ich sofort erkannt hab. Mit ihr werde ich also einen Großteil dieses Jahres verbringen. Der Empfang war typisch amerikanisch - sehr nett, aber doch auch typisch deutsch - etwas zurückhaltend. Aber wir verstanden uns von Anfang an recht gut und ich sah es schon kommen, dass die Kleine mein Quasselpensum noch übertreffen würde. Ich musste zwar in meinem Kopf erst mal wieder den Schalter von Deutsch auf English stellen, aber nach ein paar Minuten hatte ich mich einigermaßen daran gewöhnt und konnte wieder gerade Sätze bilden. Zu Hause in Ashland angekommen traf ich auf die beiden älteren Kinder (19 und 20), die extra für mich Gulasch vorbereitet hatten. Mega lieb! Ich hatte zwar eigentlich keinen hunger und wollte nur noch ins Bett, aber es geht ja nichts über einen Happen zu Essen bevor man schlafen geht ...und schlafen konnte ich in dieser Nacht wirklich gut. Endlich mal...
Mein Samstag bestand hauptsächlich aus Crossfit und Fahrstunden mit meinem Hostdad, er wollte mich ja schließlich nicht einfach so auf seine jüngste Tochter loslassen. Aber nachdem ich die wichtigsten Wege nach 2 Stunden einigermaßen drauf hatte, lies er mich wieder zu Hause parken und meinte "Your driving is excelent! Very good!" was so viel heißt wie 'Sie haben bestanden' ☺ Dinner gab es heute in der Shopping Mall. Auf Empfehlung meiner Jüngsten bestellte ich Italian Chopped Salad - ich habe noch nie so guten Salat gegessen! Hier werde ich noch zum Gemüse-Junkie :D Nach nun mittlerweile 4 Tagen habe ich mich eigentlich recht gut eingelebt, fange seit heute auch an meine AuPair Aufgaben zu übernehmen, zB mich um Waschmaschine und Geschirrspühler zu kümmern (beides läuft 2x am Tag!!). Es ist taff sich in eine Familie zu integrieren, vor allem wenn man allein ist und niemanden hat, mit dem man mal quatschen kann. So schön die Nachbarschaft hier auch ist, sie ist fremd für mich. Und ich denke, dass ich noch ein paar Tage brauchen werde um mich hier wirklich zu Hause zu fühlen. Die nächsten Tage werde ich noch mit einem komischen Gefühl im Bauch aufstehen... aber in wenigen Wochen fühle ich mich mit Sicherheit sau wohl! Die Voraussetzungen dafür stehen. Und bis es soweit ist, versuche ich mir mit Fotos, meinen Flaggen und viel überall rumstehendem MakeUp mein Zimmer so heimatlich wie möglich zu gestalten. Es hilft, wenn man an die Menschen denkt, mit denen man schon öfter unterwegs war und sich an neuen Orten einleben musste. Und solange ich diese Menschen in meinem Kopf, an meiner Kette oder auch als Kuscheltier in meinem Arm habe, fühle ich mich sicher.. Auch wenn es verrückt ist, wenn man merkt, dass es Menschen gibt, bei denen es einem sofort besser geht, wenn man nur kurz an sie denkt. Danke, dass ihr mir Kraft gebt! I MISS YOU GUYS!
Ihr hört von mir ;D!