Zum Brunch nach Triest

Was macht man, wenn man in Slowenien sitzt und noch 8 Stunden totschlagen muss, bis der Bus nach Kroatien fährt? - Richtig. Einen Abstecher nach Italien! Nein, selbstverständlich war das nicht geplant. Ich hatte zwar vor, auf meinem Trip so viel wie möglich zu sehen, doch Italien stand definitiv nicht auf meinem Zettel. Aber hier war ich nun, morgens halb 10, in der Hoffnung auf Frühstück und ein bisschen Sonne. An die Stadt selbst hatte ich gar keine großen Erwartungen, denn ehrlich gesagt war mir Triest bis zu diesem Moment noch gar nicht bekannt. Ich wollte einfach nur ans Meer. Doch von vorne...
Wenn dieser Trip bis hier hin noch nicht spontan genug war, dann sollte ich jetzt aber definitiv die Erwartungen erfüllt haben. Noch keine 2 Stunden ist es her, dass ich in Slowenien saß und mich fragte, was man so einen ganzen Tag in einer Stadt anstellen soll, die man schon komplett besichtig hatte. Zugegeben: Die Stadt verlassen und sich was anderes anschauen, das ist jetzt nicht die abwegigste Idee. Doch dafür extra das Land zu verlassen, wissend, dass man am Abend ja auch noch in ein drittes Land weiterfährt, das war dann auch für mich mal eine neue Erfahrung - doch ich würd's sofort wieder tun!
Triest begrüßte mich nämlich nicht nur mir einer wundervollen Aussicht und dem lang ersehnten Blick aufs Meer, sondern auch mit angenehmen 14°C und Sonnenschein. Wer hätte gedacht, dass ich so schnell wieder am Meer sitzen würde...
Nach ausgiebiger Planung meiner Rückfahrt und der damit verbundenen Anschlüsse, die ich unbedingt im Auge behalten musste, um heute Abend noch in einem Stück in Kroatien zu landen, blieben mir ungefähr 4 Stunden in der italienischen Hafenstadt. Und nachdem ich in Ljubljana schon so ein hervorragendes Speed-Sightseeing hingelegt hatte, war ich guter Dinge, auch hier äußerst effizient möglichst viele sehenswerte Orte abklappern zu können. Jetzt brauchte ich allerdings erstmal Frühstück! Es war mittlerweile halb 10 und mein Magen befand sich schon irgendwo zwischen Kapitulation und Auswanderungsplänen. Nahe des Canal Grade fand ich also einen süßen kleinen Brunch Spot, der mir gleich Frühstück und Mittagessen in einem lieferte.

Wie sich nach ausgiebigem Brunch herausstellte, hat Triest tatsächlich einiges zu bieten! Mal ganz davon abgesehen, dass ich beim Canal Grande ganz kurz das Gefühl hatte, wieder in Kopenhagen zu sitzen und die Aussicht mich tatsächlich kurz wie im Urlaub fühlen ließ, konnte ich mich hier vor Essensangeboten gar nicht retten. Okay, ja... ich war in Italien, was hatte ich erwartet...
So verließ ich schließlich das Zentrum vorrangig deswegen, weil mein Magen zu keiner weiteren Nahrungsaufnahme mehr imstande war und dringend einen kleinen Verdauungsspaziergang gebrauchen konnte. Mit 10.000 Schritten aus Ljubljana auf der Uhr und dem Vorhaben, das bis heute Abend noch mindestens zu verdoppeln, spazierte ich also eine ganze Weile durch eine kleine Stadt, die typischer für Italien nicht hätte sein können. Und auch die Sonne gab sich wirklich größte Mühe, mir meinen Geburtstag so angenehm wie möglich zu machen.



Doch auch in Triest ist die Anzahl an Sehenswürdigkeiten, die in erlaufbarer Reichweite zum Busbahnhof liegen, begrenzt. So kam ich kurz vor der Weiterreise natürlich noch auf die grandiose Idee, einen Berg zu besteigen. Nach meinet Logik musste man von dort oben einen perfekten Blick über die gesamte Stadt und den Hafen haben und das wäre doch wirklich ein perfekter Abschluss! Nun ja... hat man bestimmt auch. Wenn man da wohnt.
Nach einer halben Stunde voller Treppen und ungefähr 130% Anstieg gab ich es auf, einen Ort zu finden, an dem die Sicht nicht durch Häuser oder Mauern versperrt war und stapfte bei mittlerweile erstaunlich warmen 17°C den ganzen Hügel wieder runter.

Zu sehen gab es dennoch mehr als genug und so war ich tatsächlich ganz froh, als ich den Busbahnhof schon 20 Minuten zu früh erreichte und meine Füße mal eine kurze Pause bekamen. Während der kommenden 4 Stunden Busfahrt konnte ich mich zwar bestens erholen und Kraft tanken, um am Abend noch eine kurze Abschlussrunde durch Zagreb zu schlendern, doch meine Energie hatte in diesem Moment einen Tiefstand erreicht.
Die Rückfahrt verbrachte ich also größtenteils damit, herauszufinden, was ich an diesem Abend noch so alles anstellen konnte, was für morgen auf meinem Plan stehen würde und wie ich den Tag rumkriege, falls es tatsächlich - wie zwischenzeitlich angesagt - auf die unverschämte Idee kommen sollte, zu regnen.
...weiter ging's nach Zagreb.

